Übersicht

AKTUELL: Kontinenz- und Beckenbodenzentrum wagt neuen Ansatz mit Video

 

Team kommt zum Weltkontinenztag zu Inkontinenz-Betroffenen statt umgekehrt

Rheine. Eigentlich hatte das Team des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums am Klinikum Rheine im Rathauszentrum am 17. Juni Infostände aufbauen wollen, um zum Weltkontinenztag zu informieren über Maßnahmen gegen Inkontinenz und für einen stärkeren Beckenboden. Stattdessen gibt es nun ein Video, in dem Interessierte dazu angeleitet werden, ihren Beckenboden zu stärken, um die Kontinenz zu erhalten oder zu verbessern.
„Wir haben das Video im Team eigeninitiativ mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln gedreht“, sagt Dr. Beate Heitmann, Leiterin des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums. „Damit haben wir uns auf absolutes Neuland begeben – das war schon eine Überwindung.“ Mit Patientinnen und Patienten sprechen, Infostände bedienen, Vorträge halten, Kurse anleiten – alles kein Problem für das fachübergreifende Team. Die von Inkontinenz Betroffenen dagegen kostet es oft große Überwindung, solche Angebote anzunehmen, auf Ärzte und Therapeuten zuzugehen und zu sagen: Ich habe Schwierigkeiten, Stuhl und Urin zu halten – was kann ich machen?

„Die aktuelle Situation hat uns quasi gezwungen, es einmal umgekehrt zu machen: Wir haben uns überwunden und mit dem Video einen Kommunikationsweg gewählt, unsere Zielgruppe zu erreichen, während diese bequem und anonym daheimbleibt“, so Dr. Heitmann.

Zum Start des Videos auf das Bild klicken

Das Ergebnis ist nicht perfekt: Manchmal passt die Kameraperspektive nicht ganz, dem Ton hört man an, dass nur ein Smartphone, kein professionelles Sound-Equipment verwendet wurde. Aber Perfektion war nicht das Ziel, sondern einen Kommunikationsweg auszuprobieren, der neu ist für das Team und die Zielgruppe dennoch zeitgemäß erreicht.
„Dass das Video dennoch so gut geworden ist, verdanken wir vor allem Kerstin Boensch, unserer Physiotherapeutin, die sich vor die Kamera gewagt hat – ganz ohne Vorerfahrung“, so Dr. Heitmann. „Das nötigt mir größten Respekt ab und ich finde, sie hat das wirklich hervorragend gemacht.“

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spital

Inkontinenz – ein Tabu: Wir helfen!
Frau M. und Herr K. sind leidenschaftliche Tänzer – seit Jahren jedoch verzichten sie auf ihr geliebtes Hobby: Beide sind inkontinent. Plötzlicher Urin-, Stuhl- und Windabgang haben sie schon oft in peinliche Situationen geführt …

Inkontinenz vorbeugen? Mit der Beckenbodenschule am Mathias-Spital!


Kostenlose Telefonberatung am Kontinenz- und Beckenbodenzentrum

Eine Patientin der amerikanischen Gynäkologin Jeanette S. Brown formulierte einmal: „Incontinence doesn’t kill you; it just takes your life away“ („Inkontinenz tötet nicht, aber sie nimmt dir das Leben.“). Die Menschen mit unkontrollierbarem Urin- oder Stuhlabgang gehen nicht mehr gern vor die Tür, ziehen sich aus der Gesellschaft anderer zurück, ihnen ist ihr Leiden derart peinlich, dass sie oft nicht einmal mit dem Arzt darüber sprechen möchten; es geht schließlich auch um Sexualität.

Inkontinenz ist ein Thema, über das niemand gerne spricht und welches dennoch erheblich verbreiteter ist, als viele glauben: Jeder neunte Deutsche leidet darunter, so die Deutsche Kontinenz Gesellschaft, darunter viele, ohne sich fachkompetente Hilfe zu holen. Dabei ist gerade die selbstgewählte Isolation vom gesellschaftlichen Leben eine häufige Folge der Inkontinenz, die den Patienten zu schaffen macht.

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spital

Das Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum der Deutschen Kontinenzgesellschaft am Mathias-Spital berät diskret über die Behandlungsmöglichkeiten von Inkontinenz und vermittelt den Kontakt in die entsprechende medizinische Disziplin bei Behandlungsbedarf.

Inkontinenz ist noch immer ein Tabu – doch lange Leidensgeschichten lassen sich nur beenden oder lindern, wenn Patienten über ihre Beschwerden sprechen.

Um das dafür nötige Vertrauen zu erwerben, klärt das Team des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums auf, berät (auch anonym) und behandelt durch Fachleute aus der Frauenklinik, der Urologie, der Klinik für Allgemein- und Viszeral-Chirurgie mit dem Schwerpunkt Proktologie (Enddarm-Erkrankungen), der Physikalischen Therapie, der Altersheilkunde und der Kinderheilkunde sowie dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ).


Inkontinenz häufigster Grund für Einweisung in Altenpflegeheim

Die Bedeutung der Arbeit des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums nimmt zu, je stärker die Bevölkerung altert: Der häufigste Grund für die Einweisung in ein Altenpflegeheim ist Inkontinenz. Dabei gibt es in vielen Fällen Heilungsmöglichkeiten oder zumindest die Chance, das Problem so weit in den Griff zu bekommen, dass ein lebenswerter Alltag möglich ist.

Letztlich geht es um die Steigerung der Lebensqualität für Menschen, die sich oft völlig aus dem Leben zurückziehen, weil sie sich unwohl fühlen und schämen – dafür setzen die Leiterin des Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Dr. Beate Heitmann und ihr Team sich täglich ein.