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AKTUELL: Über 70 Teilnehmer beim Kontinenz-Infonachmittag

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Rheine lud zur Beckenbodengymnastik ein

Rheine. Das Hilfsmittelsortiment ähnelt der Spielzeugkiste eines Kleinkinds mit Würfeln, Ringen und Kegeln aus babyblauem Kunststoff. „Dieses hier hilft bei einer Gebärmuttersenkung und unterstützt gleichzeitig die Harnröhre“, erklärt die Urotherapeutin Britta Achternkamp. Um drei Uhr, eine Stunde nach Veranstaltungsbeginn, sind sie und ihre Kollegen vom Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spitl Rheine bereits fast heiser, so sehr werden sie von den Teilnehmern mit Fragen belagert.

Am Mittwoch hatten Dr. Beate Heitmann, Leiterin des Zentrums, und ihr Team eingeladen zu einem Infonachmittag innerhalb der Weltkontinenzwoche unter dem Motto „(K)ein Fass ohne Boden – Sport für den Beckenboden“ – über 70 Teilnehmer kamen ins Institut zur Gesundheitsförderung (IGF).

Vor dem Übungsraum ein Meer von abgestellten Schuhen: Hinter der Tür sitzt Physiotherapeutin Katrin Stecken in einer Herrenrunde auf Hockern oder Gymnastikbällen. Sie leitet die Gruppe an, den Beckenboden zu erspüren und ihn sanft anzuspannen. Dieser Kurs ist einer von sechs, in dem an diesem Nachmittag einfache und alltagstaugliche Übungen für den Beckenboden vermittelt werden – als Prävention oder Stärkung bei Beschwerden.

„Ich habe nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet bei dem tollen Wetter“, sagt Dr. Heitmann, „besonders freue ich mich, dass so viele Männer da sind.“ Die meisten wollten etwas für sich tun – und sie sei froh, dass sie sich heute trauten, das Gespräch und das Training anzunehmen. Dass Inkontinenz nach wie vor ein heikles Thema ist, wird spätestens bei der Fotofrage klar: Bitte nur von hinten ...

Auf der Wartebank für den nächsten Kurs unterhalten sich zwei Frauen lebhaft; sie sind aus Vorsorge-Gründen hier. „Es gibt immer wieder neue Möglichkeiten, man muss doch wissen, was es gibt“, sagt eine. Die andere möchte vor allem auch ein paar Infos und Übungen für ihren Mann mitnehmen, der nicht selbst kommen kann. „Hier lernen wir kleine Übungen, die wir gut in den Alltag einbauen können, z. B. wenn wir in der Küche an der Spüle stehen“, erklären sie, „da reichen schon 15 Minuten alle zwei Tage.“

Jedoch nicht alle sind zur Prävention da, wie sich am Getränketisch herausstellt: „Das Glas bitte nur zu drei Vierteln voll, sonst muss ich pinkeln ...“

(Text und Bilder 1 und 2: Mareike Knue; mit freundlicher Genehmigung der Münsterländischen Volkszeitung; Foto 3: Dr. Beate Heitmann)

Freuten sich über das große Interesse (v. l.): Fachärztin Hülya Ipek (Frauenheilkunde), Oberarzt Dr. Frank Mennigen (Urologie), Oberärztin Dr. Beate Heitmann (Leiterin des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums), Evelyn Häuser (Elektrostimulation und Biofeedback), Oberarzt Georg Reitemeyer (Chirurgie/Proktologie) und Urotherapeutin und Krankenschwester Britta Achternkamp.
Die Physiotherapeutin Katrin Stecken leitet eine Herrengruppe an zu kontinenzunterstützender Beckenboden-Gymnastik.
Vor dem Übungsraum ein Meer von abgestellten Schuhen

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spital

Inkontinenz – ein Tabu: Wir helfen!
Frau M. und Herr K. sind leidenschaftliche Tänzer – seit Jahren jedoch verzichten sie auf ihr geliebtes Hobby: Beide sind inkontinent. Plötzlicher Urin-, Stuhl- und Windabgang haben sie schon oft in peinliche Situationen geführt …

Inkontinenz vorbeugen? Mit der Beckenbodenschule am Mathias-Spital!


Kostenlose Telefonberatung am Kontinenz- und Beckenbodenzentrum

Eine Patientin der amerikanischen Gynäkologin Jeanette S. Brown formulierte einmal: „Incontinence doesn’t kill you; it just takes your life away“ („Inkontinenz tötet nicht, aber sie nimmt dir das Leben.“). Die Menschen mit unkontrollierbarem Urin- oder Stuhlabgang gehen nicht mehr gern vor die Tür, ziehen sich aus der Gesellschaft anderer zurück, ihnen ist ihr Leiden derart peinlich, dass sie oft nicht einmal mit dem Arzt darüber sprechen möchten; es geht schließlich auch um Sexualität.

Inkontinenz ist ein Thema, über das niemand gerne spricht und welches dennoch erheblich verbreiteter ist, als viele glauben: Jeder neunte Deutsche leidet darunter, so die Deutsche Kontinenz Gesellschaft, darunter viele, ohne sich fachkompetente Hilfe zu holen. Dabei ist gerade die selbstgewählte Isolation vom gesellschaftlichen Leben eine häufige Folge der Inkontinenz, die den Patienten zu schaffen macht.

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spital

Das zertifizierte Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum der Deutschen Kontinenzgesellschaft am Mathias-Spital berät diskret über die Behandlungsmöglichkeiten von Inkontinenz und vermittelt den Kontakt in die entsprechende medizinische Disziplin bei Behandlungsbedarf.

Inkontinenz ist noch immer ein Tabu – doch lange Leidensgeschichten lassen sich nur beenden oder lindern, wenn Patienten über ihre Beschwerden sprechen.

Um das dafür nötige Vertrauen zu erwerben, klärt das Team des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums auf, berät (auch anonym) und behandelt durch Fachleute aus der Frauenklinik, der Urologie, der Klinik für Allgemein- und Viszeral-Chirurgie mit dem Schwerpunkt Proktologie (Enddarm-Erkrankungen), der Physikalischen Therapie, der Altersheilkunde und der Kinderheilkunde sowie dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ).


Inkontinenz häufigster Grund für Einweisung in Altenpflegeheim

Die Bedeutung der Arbeit des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums nimmt zu, je stärker die Bevölkerung altert: Der häufigste Grund für die Einweisung in ein Altenpflegeheim ist Inkontinenz. Dabei gibt es in vielen Fällen Heilungsmöglichkeiten oder zumindest die Chance, das Problem so weit in den Griff zu bekommen, dass ein lebenswerter Alltag möglich ist.

Letztlich geht es um die Steigerung der Lebensqualität für Menschen, die sich oft völlig aus dem Leben zurückziehen, weil sie sich unwohl fühlen und schämen – dafür setzen die Leiterin des Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Dr. Beate Heitmann und ihr Team sich täglich ein.

Dr. Kay Goerke, Chefarzt der Frauenklinik am Mathias-Spital, gratuliert Dr. Beate Heitmann zur offiziellen Leitung des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums.