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AKTUELL: Ist Ihre Blase schneller als Sie?

Welt-Kontinenz-Tag in der Innenstadt mit Unterstützung der Klinikclowns

Rheine. Am 24. Juni beteiligt sich das Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spital wieder einmal an der Welt-Kontinenz-Woche – Motto: „Ist Ihre Blase schneller als Sie?“. Schon in den vergangenen Jahren hatte das Team Betroffene und Interessierte immer wieder eingeladen, sich zu informieren und sich unverbindlich Rat zu holen – doch die Resonanz war verhalten.

Das liegt nicht daran, dass Inkontinenz, also unfreiwilliger Harn- oder Stuhlabgang, ein Randproblem wäre: Viele Menschen jeden Alters und Geschlechts leiden darunter, z. B. aufgrund von Schwangerschaft und Geburt, Verletzungen oder Operationen sowie aufgrund höheren Alters. „Die Scham jedoch ist noch größer, als wir gedacht haben“, sagt Dr. Beate Heitmann, Leiterin des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums. Sie kämpft seit Jahren mit Offenheit und durchaus auch Humor gegen die Scheu vor dem schwierigen Thema.

Und beim Humor setzt sie in diesem Jahr an mit einem neuen Konzept: Ihr Team wird für den Kontinenztag erweitert durch – die Klinikclowns. „Wir haben sofort zugesagt“, sagt Birgitta Gutsch-Esser, die Vorsitzende des Vereins. „Denn unsere Clowns arbeiten ja auch mit Senioren und sind daher vertraut mit Inkontinenz. Eine klasse Idee, das Thema mit Humor anzugehen! Hätte von uns sein können ...“

Eine weitere Neuerung gibt es außerdem: „In diesem Jahr warten wir nicht darauf, dass die Menschen zu uns kommen“, sagt Dr. Heitmann, „wir kommen zu ihnen.“ Und zwar am Mittwoch, 24. Juni, von 15 bis 18 Uhr in die Fußgängerzone, Ecke Herrenschreiber-/Emsstraße. „Wir wollen, dass Inkontinenz ein Thema wird, über das jeder unbefangen reden kann“, erklärt die Gynäkologin Hülya Ipek. „Deshalb gehen wir damit auch ganz unbefangen in die Innenstadt.“

Foto: Peter Teutenberg

Das bewährte Team aus Frauenärzten, Urologen, Chirurgen, Kinderärzten und Gastroenterologen informiert – natürlich ohne die Besucher danach zu fragen, ob sie selbst betroffen sind oder sich für Angehörige informieren.

Physiotherapeuten zeigen beckenbodenstärkende Übungen, die auch vorbeugend wirken, also für jedermann und -frau gut sind. Die sind auch durchaus fußgängerzonentauglich, denn Beckenbodenstärkung beginnt bereits beim richtigen Gehen. Und was die Klinikclowns machen – nun, das weiß man bei denen vorher ja nie so genau. Sicher ist: Sehenswert wird es sein!


Übrigens: Vor Kurzem fand der erste Beckenbodenkurs des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums statt mit Teilnehmerinnen zwischen 29 und 75 Jahren. Als Präventionsmaßnahme bezuschussen ihn viele Krankenkassen. Teilnehmen können Männer und Frauen jeden Alters mit und ohne Beschwerden. Informationen zu weiteren Kursen liefert die Physikalische Abteilung im Mathias-Spital unter  05971 42-1083.

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spital

Inkontinenz – ein Tabu: Wir helfen!
Frau M. und Herr K. sind leidenschaftliche Tänzer – seit Jahren jedoch verzichten sie auf ihr geliebtes Hobby: Beide sind inkontinent. Plötzlicher Urin-, Stuhl- und Windabgang haben sie schon oft in peinliche Situationen geführt …


Kostenlose Telefonberatung am Kontinenz- und Beckenbodenzentrum

Eine Patientin der amerikanischen Gynäkologin Jeanette S. Brown formulierte einmal: „Incontinence doesn’t kill you; it just takes your life away“ („Inkontinenz tötet nicht, aber sie nimmt dir das Leben.“). Die Menschen mit unkontrollierbarem Urin- oder Stuhlabgang gehen nicht mehr gern vor die Tür, ziehen sich aus der Gesellschaft anderer zurück, ihnen ist ihr Leiden derart peinlich, dass sie oft nicht einmal mit dem Arzt darüber sprechen möchten; es geht schließlich auch um Sexualität.

Inkontinenz ist ein Thema, über das niemand gerne spricht und welches dennoch erheblich verbreiteter ist, als viele glauben: Jeder neunte Deutsche leidet darunter, so die Deutsche Kontinenz Gesellschaft, darunter viele, ohne sich fachkompetente Hilfe zu holen. Dabei ist gerade die selbstgewählte Isolation vom gesellschaftlichen Leben eine häufige Folge der Inkontinenz, die den Patienten zu schaffen macht.

Kontinenz- und Beckenbodenzentrum am Mathias-Spital

Das zertifizierte Kontinenz- und Beckenboden-Zentrum der Deutschen Kontinenzgesellschaft am Mathias-Spital berät diskret über die Behandlungsmöglichkeiten von Inkontinenz und vermittelt den Kontakt in die entsprechende medizinische Disziplin bei Behandlungsbedarf.

Inkontinenz ist noch immer ein Tabu – doch lange Leidensgeschichten lassen sich nur beenden oder lindern, wenn Patienten über ihre Beschwerden sprechen.

Um das dafür nötige Vertrauen zu erwerben, klärt das Team des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums auf, berät (auch anonym) und behandelt durch Fachleute aus der Frauenklinik, der Urologie, der Klinik für Allgemein- und Viszeral-Chirurgie mit dem Schwerpunkt Proktologie (Enddarm-Erkrankungen), der Physikalischen Therapie, der Altersheilkunde und der Kinderheilkunde sowie dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ).


Inkontinenz häufigster Grund für Einweisung in Altenpflegeheim

Die Bedeutung der Arbeit des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums nimmt zu, je stärker die Bevölkerung altert: Der häufigste Grund für die Einweisung in ein Altenpflegeheim ist Inkontinenz. Dabei gibt es in vielen Fällen Heilungsmöglichkeiten oder zumindest die Chance, das Problem so weit in den Griff zu bekommen, dass ein lebenswerter Alltag möglich ist.

Letztlich geht es um die Steigerung der Lebensqualität für Menschen, die sich oft völlig aus dem Leben zurückziehen, weil sie sich unwohl fühlen und schämen – dafür setzen die Leiterin des Kontinenz- und Beckenbodenzentrum Dr. Beate Heitmann und ihr Team sich täglich ein.

Dr. Kay Goerke, Chefarzt der Frauenklinik am Mathias-Spital, gratuliert Dr. Beate Heitmann zur offiziellen Leitung des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums.