Informationen zu Darmkrebs

Was ist Darmkrebs und wie entsteht er?

Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in der westlichen Welt. Zur Entstehung tragen neben Lebens- und Ernährungsgewohnheiten auch erbliche Faktoren bei. 

Durch spezielle Vorsorgeprogramme sind wir heute in der Lage, Frühformen des Darmkrebses zu erkennen, zu behandeln und damit gute Heilungschancen zu erreichen. Auch Vorstufen wie Adenome und Polypen lassen sich im Rahmen der Vorsorge erkennen. Durch deren frühzeitige Entfernung kann das Auftreten bösartiger Darmtumoren verhindert werden.

Darmkrebs ist ein bösartiger Tumor, der aus den drüsigen Zellen der Schleimhaut (inneren Auskleidung) des Dickdarms entsteht. 
Hinter dem Begriff Darmkrebs verbergen sich verschiedene Tumorarten und Lokalisationen. Unterschieden werden der Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) und der Mastdarmkrebs (Rektumkarzinom).

In einigen Fällen betrifft die Lokalisation den Übergangsbereich zwischen Dickdarm und Mastdarm (kolorektaler Übergang). 

Die Ursachen für die Entstehung von Darmkrebs sind vielfältig: Neben erblichen Faktoren, Ernährungsgewohnheiten und Umwelteinflüssen spielen auch psychosoziale Aspekte eine Rolle. Als begünstigende Faktoren sind darüber hinaus chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie z. B. die Colitis ulcerosa anzusehen.

Die meisten Formen von Darmkrebs bilden sich aus gutartigen Vorläuferstufen, den sogenannten Adenomen. Aus einer anfänglich gutartigen Veränderung der Schleimhaut, dem sogenannten Polypen, wird im Verlauf der Zeit über verschiedene Zwischenstufen ein bösartiger Darmkrebs, der in späten Stadien auch Tochtertumoren (Metastasen) bilden kann.

Risikofaktoren

Durch langjährige wissenschaftliche Untersuchungen konnten verschiedene Risikofaktoren identifiziert werden, die zur Entstehung von Darmkrebs beitragen. Diese Risikofaktoren gehen mit einer deutlichen Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für die Bildung von Darmkrebs einher. Als Risikofaktoren wurden identifiziert:

  • Darmpolypen als Vorstufen des Darmkrebs
    Polypen der Darmschleimhaut, sogenannte Adenome, gelten als Vorstufen von Darmkrebs. Diese Polypen besitzen unterschiedliche Entwicklungsstufen mit unterschiedlicher Aggressivität, die vom Pathologen eingeschätzt werden können. Obwohl nicht alle Polypen zu Darmkrebs führen, ist beim Vorliegen von Polypen das Risiko seiner Entstehung stark erhöht. Darmkrebs ohne diese Vorstufen ist sehr selten. Daher kann durch die Entfernung aller Polypen im Darm im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen das Risiko für Darmkrebs deutlich verringert werden.
  • Alter: Mit dem Alter nimmt Darmkrebs zu
    Die Häufigkeit von Darmkrebs steigt geschlechtsunabhängig mit zunehmendem Alter. Der sogenannte sporadische, nicht durch erbliche Belastung bedingte Darmkrebs tritt in der Regel erst nach dem 50. Lebensjahr auf.
  • Ernährung und „Lifestyle“
    Das Erkrankungsrisiko für Darmkrebs wird im Wesentlichen ernährungsbedingt beeinflusst. Risikofaktoren sind ein hoher Konsum tierischer Fette, ein zu geringer Konsum von frischem Obst und Gemüse sowie eine Mangelversorgung mit bestimmten Vitaminen und Spurenelementen. Darüber hinaus gelten Bewegungsmangel, das Rauchen und Alkoholkonsum zu den Faktoren, die das Darmkrebsrisiko erhöhen.
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
    Eine Risikogruppe für Darmkrebs bilden Patienten, die an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn und Colitis ulcerosa) leiden.

  • Genetische Faktoren: Ist Darmkrebs erblich?
    Es gibt erbliche Formen von Darmkrebs, bei denen die ursächlichen Genveränderungen bekannt und nachweisbar sind. Hierzu gehören z.B. die nicht polypöse erbliche Darmkrebsform (Hereditäres Nicht Polypöses Colon Carzinom - HNPCC oder Lynch-Syndrom) und die Familiäre Adenomatöse Polyposis (FAP). Weitere erbliche Formen sind bekannt, treten jedoch sehr selten auf. Betroffen sind insgesamt etwa fünf bis acht Prozent aller Darmkrebspatienten. Den Familien der betroffenen Patienten wird eine humangenetische Beratung empfohlen.
    Bei einer weiteren Patientengruppe mit familiär gehäuftem Auftreten von Darmkrebs werden andere genetische Faktoren vermutet, die bisher jedoch noch nicht nachgewiesen werden konnten. Diese Gruppe umfasst 20 bis 25 Prozent aller Darmkrebserkrankungen. Für die betroffenen Familien besteht ein deutlich erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Für Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) von Patienten mit Darmkrebs liegt das Risiko zwei- bis dreimal höher. Das  Risiko steigt weiter, wenn bei dem erkrankten Familienmitglied der Krebs vor dem 60. Lebensjahr aufgetreten ist. Von den Familienangehörigen sollten die Vorsorgeprogramme daher mit besonderer Sorgfalt wahrgenommen werden. 
    Weitere Informationen finden Sie im Verbundprojekt „Familiärer Darmkrebs“ der Deutschen Krebshilfe.

Vorsorge

Im Unterschied zu vielen anderen Krebserkrankungen gibt es bei Darmkrebs die einmalige Chance, die Krankheit durch Vorsorgemaßnahmen weitgehend zu verhindern oder sie in einem so frühen Stadium zu entdecken, dass sie geheilt werden kann. Ein früh entdeckter Darmkrebs ist heute mit sehr guter Chance heilbar.

Vorsorgeuntersuchungen

Ab dem 50. Lebensjahr sollte jeder zur Darmkrebsvorsorge gehen. Die Fachgesellschaften empfehlen eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie), die bei unauffälligem Befund alle zehn Jahre wiederholt werden soll. Durch die direkte Möglichkeit zur Inspektion des gesamten Darms, der Entnahme von Gewebeproben und der Entfernung von Krebsvorstufen (Polypen), führt diese Untersuchungstechnik mit Abstand zu den besten Resultaten der Vorsorge. Für Patienten, die eine Darmspiegelung ablehnen, empfiehlt sich ein jährlicher Test auf Blut im Stuhl (Hämoccult®-Test).

Technisch möglich sind inzwischen auch bildgebende Verfahren (virtuelle Koloskopie), bei denen mittels einer Computertomographie oder Magnetresonanztomographie Bilder aus dem Darm berechnet werden. Die Aussagekraft dieser Verfahren ist derzeit noch nicht so hoch wie bei der Koloskopie. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass nicht unmittelbar therapeutisch, z. B. durch eine Polypabtragung, eingegriffen werden kann.

Ernährung

In den letzten Jahren haben zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, dass das Entstehen von Darmkrebs auch durch westliche Ernährungs- und Lebensgewohnheiten („Lifestyle“) begünstigt wird. Daher können ein gesunder Lebensstil und eine gesunde Ernährung helfen, Darmkrebs zu verhindern.
Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Vorsorge bei erblichem Darmkrebs

Bei erblich bedingtem Darmkrebs werden den Betroffenen spezielle Vorsorgeprogramme angeboten.

  • FAP
    Bei dieser Form des erblichen Darmkrebses, die sich bei einer Darmspiegelung anhand ihres typischen Bildes mit zahlreichen Polypen leicht erkennen lässt, erkranken praktisch alle Betroffenen im Laufe ihres Lebens an Dickdarmkrebs. Daher wird diesen Patienten empfohlen, den Dickdarm komplett zu entfernen. Die Entscheidung über den geeigneten Zeitpunkt solch einer Operation wird vom Patienten gemeinsam mit seinem behandelnden Arzt, einem Chirurgen und einem Humangenetiker getroffen. Zusätzlich sind bei den Betroffenen regelmäßige Untersuchungen der Augen sowie des restlichen Magen-Darm-Trakts erforderlich.

Früherkennung

Die Symptome bei Darmkrebs sind oft wenig ausgeprägt und uncharakteristisch. Darmtumoren wachsen langsam: Sie können beginnend mit der ersten Krebszelle bis zum Auftreten von Symptomen bereits über viele Jahre unbemerkt gewachsen sein.
Folgende Warnzeichen sollten Sie dazu veranlassen, den Darm untersuchen zu lassen:

  • Sichtbare Blutspuren im Stuhl sind ein Warnzeichen. Unsichtbare Blutbeimengungen lassen sich mit einem einfachen Stuhltest (z. B. dem Hämoccult®-Test) nachweisen.
  • Symptome wie  Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Müdigkeit und Blutarmut (Anämie) können im Verlauf dazukommen.
  • Schmerzen treten meist später bei dann oft schon großen Tumoren auf, wenn diese die Lichtung des Darmes stark einengen. Ein vollständiges Verlegen des Darmes führt möglicherweise zu einem Darmverschluss.
  • Anhaltende Veränderungen der Stuhlgangsgewohnheiten, vor allem, wenn diese nicht mit einer Änderung der äußeren Lebensumstände wie einer Ernährungsumstellung o. ä. erklärbar sind. Diese sind vor allem, wenn sie bei Personen ab dem 40. Lebensjahr auftreten, das häufigste Symptom bei Darmkrebs. Zu den Veränderungen können neu aufgetretene Verstopfungen zählen, aber auch Durchfall. Die Beschwerden können sowohl wechselnd als auch länger anhaltend bestehen.

Alle diese Zeichen sind aber unzuverlässig, das Fehlen von Beschwerden schließt das Vorhandensein eines Darmkrebses nicht aus.

Diagnostik

Besteht aufgrund der Beschwerden oder eines der genannten Risikofaktoren der Verdacht auf das Vorliegen eines Darmkrebses, wird durch den Hausarzt oder durch spezialisierte Ärzte und Institute die nachfolgende Diagnostik vorgenommen.
Dabei müssen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Untersuchung des Darmes zur Festlegung der Lage und Art einer Geschwulst mit Entnahme von Gewebeproben aus verdächtigen Bereichen (sogenannte histologische Sicherung) und ihres Wachstumsmusters (Grading)
  • Überprüfung der Verträglichkeit, Art und Durchführbarkeit möglicher Therapien
  • Untersuchung des Ausbreitungsverhaltens des Tumors (Nachbarorgane, Lymphknotenbefall, Tochtergeschwülste in anderen Organen)

Um diese Fragen zu beantworten, sind unterschiedliche Techniken erforderlich.

Krankheitsgeschichte und körperliche Untersuchung

Neben einer Erhebung der Krankengeschichte (sogenannte Anamnese) einschließlich der Erfassung eventuell bereits in der Familie aufgetretener Tumorerkrankungen wird eine ausführliche körperliche Untersuchung durch den Arzt vorgenommen einschließlich einer Austastung des Mastdarms.

Apparative Diagnostik

Die apparative Untersuchung umfasst endoskopische und radiologische Methoden, die individuell nach Notwendigkeit festgelegt werden.

  • Immer sollte eine Darmspiegelung (Koloskopie) des gesamten Dickdarms mit Entnahme von Gewebeproben (Biopsien) erfolgen. Diese sollte, falls sie nicht vor einer Operation erfolgreich komplett durchgeführt werden konnte, anschließend innerhalb von sechs Monaten nachgeholt werden.
  • zusätzlich bei Mastdarmkrebs: Mastdarmspiegelung (Rektoskopie), ebenfalls mit Gewebeprobe; in der Regel wird dabei gleich eine Ultraschalluntersuchung der Darmwand (Endosonographie) mit durchgeführt zur Überprüfung der Eindringtiefe der Geschwulst und der Frage einer Lymphknotenvergrößerung in der unmittelbaren Umgebung.
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie) der Leber und des übrigen Bauchraumes
  • Hochauflösende Computertomographie (Spiral-CT) oder Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) des Bauch- und Beckenraumes
  • Röntgenaufnahme der Lunge und des Brustkorbes, ggf. ergänzt durch eine Computertomographie dieses Bereiches
  • Bestimmung des Tumormarkers CEA im Blut

Behandlungsmöglichkeiten

Mit der Diagnosestellung eines Darmkrebses stellt sich die Frage, welche Therapie für den Patienten am besten geeignet ist. Hierfür werten wir sämtliche Untersuchungsbefunde aus und empfehlen entsprechend dem vorliegenden Krankheitsstadium eine Operation, eine Chemotherapie, eine Bestrahlung und/ oder eine Kombination aus diesen Therapieverfahren. Dabei kann es sein, dass der Operation eines der anderen Verfahren vorangestellt wird. Entscheidungsgrundlage für die Behandlung ist dabei in den meisten Fällen das Ergebnis einer Besprechung auf unserer Tumorkonferenz.

Tumorkonferenz

Im Rahmen einer wöchentlich stattfindenden interdisziplinären Tumorkonferenz (zertifiziert bei der Ärztekammer Westfalen-Lippe) wird jeder Fall mit seinen Ergebnissen und Besonderheiten von den beteiligten Spezialisten besprochen und das weitere Vorgehen zwischen den Fachdisziplinen festgelegt. Das Beratungsergebnis wird Ihnen unmittelbar mitgeteilt und berücksichtigt insbesondere Ihre Begleiterkrankungen und besonderen Bedürfnisse. Das Team des Darmzentrums begleitet Sie kontinuierlich auf Ihrem weiteren Behandlungsweg.

Operation

Eine Operation ist derzeit das einzige Verfahren, mit dem ein Darmkrebs geheilt werden kann. Ist der Krebs noch nicht über bestimmte Grenzen hinausgewachsen, ist die alleinige Operation mit der Entfernung des betroffenen Darmabschnittes in der Regel ausreichend für eine Heilung. In höheren Stadien mit Überschreitung bestimmter Gewebegrenzen bzw. bei Ausbildung von Tochtergeschwülsten, sogenannten Metastasen, wird die Operation durch zusätzliche Therapiemaßnahmen ergänzt. Diese finden teilweise vor, teilweise nach der Operation statt.

Ziel einer Operation ist die vollständige Entfernung des Tumors einschließlich seiner ernährenden Gefäße und der Lymphabflusswege einschließlich der Lymphknoten, da dieses die Wege sind, über die ein solcher Darmkrebs sich ausbreiten kann. Dabei gilt es, bestimmte, anatomisch bedingte Grenzen einzuhalten, um eine größtmögliche Sicherheit bei der Vollständigkeit der Entfernung zu erzielen.

Insbesondere beim Mastdarmkrebs findet die Operation häufig erst nach einer Kombinationsbehandlung aus einer Bestrahlung und Chemotherapie statt. Diese Vorbehandlung dient der Verkleinerung des Tumors und damit der besseren Entfernbarkeit. Zudem treten dann seltener Rückfälle nach einer Operation auf.

  • Radikale Operationsverfahren
    Hierunter versteht man die komplette Entfernung sowohl des eigentlichen Tumors als auch der Gefäße und Lymphknoten des betroffenen Abschnittes. In der Regel kann man den betroffenen Dickdarmabschnitt entfernen und die beiden resultierenden Darmenden sofort wieder miteinander durch Nähte oder Klammern verbinden (sogenannte Anastomose).
    Schwieriger sind Operationen am Mastdarm. Bedingt durch die tiefe Lage in der Bauchhöhle im unteren Beckenabschnitt ist durch den dort von den Knochen begrenzten Raum der Bewegungsspielraum sehr eingeschränkt und die Operation dadurch technisch sehr anspruchsvoll. Zudem laufen in diesem Gebiet zahlreiche Nerven zur Harnblase und den Genitalorganen. Die Schließmuskel-, Blasen- und Sexualfunktionen könnten dadurch beeinträchtigt werden. Entsprechend werden diese Operationen nur von besonders erfahrenen Ärzten durchgeführt.
    In vielen Fällen können größere Schnitte durch den Einsatz der bei uns seit Jahren etablierten „Schlüssellochchirurgie“ (minimal-invasive Chirurgie) vermieden werden. Der Einsatz hängt aber neben der Art und Größe der Tumorerkrankung von weiteren Faktoren wie Voroperationen und damit Verwachsungen ab.
  • Lokale Operationsverfahren
    Eine nur begrenzte Operation mit ausschließlicher Entfernung eines Tumors ist nach heutigem Wissensstand nur für einige ausgewählte Fälle beim Mastdarmkrebs möglich. Hierbei wird der Tumor durch den After hindurch ausgeschnitten. Eine Eröffnung der Bauchhöhle ist nicht erforderlich. Dieses Vorgehen findet nur bei kleinen, nicht fortgeschrittenen Stadien ohne nachgewiesenen Befall von Lymphknoten Anwendung. In allen anderen Fällen wäre das Risiko zu groß, Tumorzellen zu übersehen oder zu belassen.
  • Der künstliche Darmausgang
    Verständlicherweise möchte kein Patient einen künstlichen Darmausgang (sogenanntes Stoma) angelegt bekommen. Durch die Fortschritte in der Behandlung der Tumorerkrankung und der chirurgischen Technik ist dies auch immer seltener notwendig.
    Bei einer sehr tiefen Lage des Tumors unmittelbar am Schließmuskel ist aber auch heute eine dauerhafte Anlage eines solchen Ausganges aus Gründen der Radikalität weiterhin notwendig.
    Darüber hinaus gibt es Fälle, insbesondere beim Mastdarmkrebs, bei denen die Nahtverbindung bis zur vollständigen Abheilung vor dem Stuhl geschützt werden muss. Hier hilft die vorübergehende Anlage des künstlichen Darmausganges wie ein Ventil, vor Komplikationen zu schützen.

Radiochemotherapie

Dieser Begriff umfasst eine Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung. Die Radiochemotherapie wird ausschließlich bei bestimmten Stadien des Mastdarmkrebses angewendet, da sich hieraus eine Verbesserung der operativen Entfernbarkeit des Tumors und eine Verringerung der Rückfallraten ergeben. Für die Bestrahlung werden moderne, schonende Bestrahlungstechniken verwendet, die gesundes Gewebe weitgehend ausblenden. Diese Behandlung wird ambulant durchgeführt. Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfälle und Unwohlsein sind selten und können medikamentös behandelt werden.

Durch die Gabe sogenannter Zytostatika werden die Tumorzellen empfindlicher für die Bestrahlung. Diese Vorbehandlung erfolgt über ca. drei Monate. Nach einer Erholungspause schließt sich dann die Operation an. 

Chemotherapie

Wenn bereits eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie als Vorbehandlung erfolgt ist oder die Untersuchung des entfernten Dickdarmabschnittes eine Überschreitung bestimmter Grenzen örtlich oder in den Lymphknoten ergeben hat, erfolgt zur Verbesserung des Langzeiterfolges und zur Verhinderung von Rückfällen eine Chemotherapie.
Die Entscheidung zu einer solchen Therapie wird im Rahmen der wöchentlichen Tumorkonferenz mit allen beteiligten Fachdisziplinen unter Berücksichtigung aller individuellen Gegebenheiten erörtert. Die Chemotherapie nach einer Operation erfolgt in der Regel über einen Zeitraum von sechs Monaten. Tumorzellen teilen sich schneller als die meisten anderen Zellen im Körper. 

Genau hier setzen die Medikamente an: mit der Chemotherapie sollen Metastasen beseitigt oder deren Neuentstehung verhindert werden. 
Da aber auch gesunde, schnell wachsende Zellen beeinträchtigt werden, kann es zu den typischen Nebenwirkungen am Magen-Darm-Trakt mit Übelkeit und Durchfällen kommen. Haarausfall ist eher selten anzutreffen. Insgesamt ist die Chemotherapie bei der Darmkrebsbehandlung aber besser verträglich als bei anderen Tumoren. Zudem können ergänzende Medikamente diese Nebenwirkungen deutlich mildern.

In der Regel erfolgt diese Behandlung mit zweiwöchigen Pausen zwischen den Medikamentengaben und kann ambulant erfolgen.

Immuntherapie

In ausgewählten Fällen, abhängig von bestimmten Untersuchungen am Tumorgewebe, ergänzt eine Immuntherapie, bei der Antikörper eingesetzt werden, die Chemotherapie. Solche Antikörper sind zur zusätzlichen Behandlung zugelassen und führen zu einer weiteren Verbesserung des Behandlungserfolges. Da sich diese Antikörper wie das körpereigene Immunsystem verhalten, haben sie deutlich weniger Nebenwirkungen.

Strahlentherapie

Eine unmittelbare Strahlentherapie ist in fast allen Fällen nicht erforderlich. In ausgewählten Einzelfällen kann aber eine Strahlentherapie ergänzend notwendig werden, insbesondere bei nicht entfernbaren Tumoren des Mastdarmes oder Metastasen in Knochen und Weichteilen. Dadurch können insbesondere örtliche Schmerzen gelindert und eine Ausbreitung aufgehalten werden.

Nachsorge

Ein wichtiges Anliegen der Nachsorge ist der Abbau von Ängsten, die in Zusammenhang mit einer Tumorerkrankung auftreten, sowie die Verbesserung der Lebensqualität. Die Nachsorge beginnt im Anschluss an die erste Therapie. Sie umfasst regelmäßige Kontrolluntersuchungen auf Wiedererkrankung (Rezidive) und Tochtergeschwülste (Metastasen) sowie die Begleitung bei Langzeittherapien mit Diagnose und Behandlung von Folge- und Nebenwirkungen. Darüber hinaus zählen auch die psychosoziale Betreuung sowie Rehabilitationsmaßnahmen zur Nachsorge.

Was wird untersucht?

Während eines Nachsorgetermins führt der behandelnde Arzt ein ausführliches Gespräch zum körperlichen und seelischen Befinden. Erfragt werden Besonderheiten, Beschwerden und körperliche Veränderungen. Dazu erfolgen Blutwertkontrollen einschließlich sogenannter Tumormarker, Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen. Ergänzt werden diese Untersuchungen durch Spiegelungen des Darmes in bestimmten Abständen.

Zeitplan

Im Rahmen der Nachsorge werden Untersuchungen gemäß eines leitliniengerechten Plans durchgeführt. Dieser Plan gibt Empfehlungen, von denen im Einzelfall abgewichen werden kann. Im konkreten Fall werden die Art der Untersuchung und deren Abstand an die persönlichen Bedürfnisse des Patienten angepasst. 

Bei akuten Beschwerden empfiehlt es sich, nicht bis zum nächsten Kontrolltermin abzuwarten, sondern sofort einen Termin beim Hausarzt zu vereinbaren.
Bei Patienten mit frühen Darmkrebsformen (Stadium I) sind weniger Nachuntersuchungen erforderlich.
Bei den Stadien II und III werden folgende Untersuchungen empfohlen:

* Ob diese Untersuchung notwendig ist, entscheidet der behandelnde Arzt im Einzelfall.

Sozialdienst

Rehabilitation

Um allgemeine Operationsfolgen und Komplikationen zu vermeiden, beginnt die Rehabilitation bereits unmittelbar nach dem Eingriff. Wenn möglich, mobilisieren unsere Mitarbeiter der Physiotherapie und des Pflegedienstes Patienten noch am Operationstag. Ältere Patienten werden nach dem speziellen Programm der Geriatrischen Frührehabilitation betreut. 
Der Entlassung aus dem Krankenhaus schließt sich i.d.R. ein stationärer Aufenthalt in einer Reha-Klinik an. Eine besondere Form der Geriatrischen Rehabilitation bietet das zur Mathias-Stiftung gehörende Geriatrische Reha-Zentrum in Mettingen an.

Stomatherapie

Ist  vorübergehend oder dauerhaft die Anlage eines künstlichen Darmausganges (Stoma) erforderlich, kann bereits vor einer Operation durch die Einbeziehung eines speziell ausgebildeten Stomatherapeuten ein Training mit den Beutelsystemen erfolgen. Zudem lassen sich durch ein Testen der Systeme und Anzeichnen der Anlagestelle vor der Operation Versorgungsprobleme bereits im Vorfeld vermeiden. Nach der Operation bieten wir unseren Patienten eine organisatorische und psychische Unterstützung mit dieser neuen Situation an. Die modernen Versorgungssysteme, die Anbindung an Selbsthilfegruppen sowie eine angepasste Ernährung verhindern eine soziale Isolierung und können dazu beitragen, trotz des Stomas ein normales Leben zu führen.

Nach der Entlassung kann die Stomabetreuung auch bei Ihnen zuhause erfolgen. Erfahrungsgemäß besteht oft ein Betreuungsbedarf im häuslichen Umfeld, da sich die Gegebenheiten dort von denen im Krankenhaus unterscheiden.

Ernährung

Eine Tumorerkrankung und deren Behandlung führt häufig zu einem Gewichtsverlust durch Appetitlosigkeit und damit zu Defiziten bei wichtigen Vitaminen und Nährstoffen. Daher sollte auf eine vitamin- und nährstoffreiche Ernährung geachtet werden. Empfehlenswert sind z. B. Frischkornmüsli, Obst und Gemüse, kaltgepresste Öle sowie Milch und Mineralwasser. Auch Fisch, Fleisch und Eier in Maßen gehören zu einer ausgewogenen Ernährung. 
Wir bieten unseren Patienten eine Ernährungsberatung an, denn die Erkrankung selbst, das Fehlen von Darmanteilen oder das Vorhandensein eines Stomas können individuelle Anforderungen an die Ernährung stellen.