Kinder- u. Jugendpsychiatrie

Die Tagesklinik ist eine Fachabteilung des Mathias-Spitals Rheine, die allen behandlungsbedürftigen Kindern und Jugendlichen mit ihren Familien offen steht. Der Name "Tagesklinik" beschreibt eine Behandlungsform, die von montags bis freitags während des Tages angeboten wird. Nachts und an den Wochenenden sind die Kinder und Jugendlichen zu Hause.

Die Behandlung erfolgt durch das Team der Tagesklinik, das multiprofessionell zusammengesetzt ist nach den Empfehlungen für die tagesklinische kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung.

Die Psychologen, Sozial- und Heilpädagogen, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten, Motopäden und Erzieher ergänzen das kinder- und jugendpsychiatrische, psychotherapeutische Behandlungsangebot und werden unter ärztlicher Anweisung und Leitung tätig.

Es stehen zwölf Behandlungsplätze für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren zur Verfügung.

Leistungsangebot


Psychotherapie

Die therapeutische Arbeit mit der Gesamtfamilie macht ein neues Zusammenleben für alle Familienmitglieder möglich: Sie lernen die Beziehungen zueinander und den Umgang miteinander zu verbessern, verstehen die Bedeutung von Symptomen besser und meistern neue Entwicklungsaufgaben gemeinsam. Einzel- und Gruppentherapien werden in Form von tiefenpsychologisch fundierten Sitzungen, Verhaltenstherapien und Therapien unter systemischen Grundannahmen angeboten. Nonverbale Therapien finden u. a. als Spieltherapie, Gestaltungstherapie und Bewegungstherapie statt.
Ein weiterer Baustein der Behandlung kann, nach sorgfältiger Abwägung, die Pharmakotherapie sein.

Pädagogische Gruppenarbeit

Sozialpädagogen/-arbeiter, Heilpädagogen und Erzieher sind für die pädagogische Gruppenarbeit zuständig. Im sozialen Umfeld der Tagesklinikgruppe lernt das Kind bzw. der Jugendliche, mit eigenen Schwächen und Stärken adäquat umzugehen und die Kontaktaufnahme zu anderen Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Die Pädagogen stimmen mit den Eltern pädagogische Ziele und Schritte zur Umsetzung ab. Die Kinder bzw. Jugendlichen können die in den pädagogischen Kleingruppen erarbeiteten Verhaltensweisen und Sozialkompetenzen situativ im Gruppenalltag anwenden.


Ergotherapie

In Einzel- und Gruppentherapien soll der Patient eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten entdecken, erlernen, umsetzen und daran wachsen. Dazu werden nach intensiver Verhaltensbeobachtung Therapieziele ausgearbeitet die, laufend modifiziert, durch gezielte Angebote mit dem Patienten verfolgt werden. Im Bedarfsfall werden Elternhospitationen angeboten.

Sozialarbeit

Sozialarbeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist eng an die verschiedenen therapeutischen und pädagogischen (Be-)Handlungsmodelle gekoppelt. Auf der Grundlage der diagnostischen Befunde und des aktuellen Therapieplanes unterstützt sie den Patienten und sein Bezugssystem, indem sie Rahmenbedingungen schafft, die eine positive Lebensperspektive für den Patienten ermöglichen können. Bei Bedarf ist eine umfassende Beratung durch den Sozialarbeiter der Tagesklinik möglich: Z. B. Unterstützung bei rechtlichen Fragestellungen, in finanziellen Notlagen und bei Problemen im Umgang mit Behörden.


Schule

In enger Kooperation mit der Heinrich-Hoffmann-Schule, Schule für Kranke, können Schüler die Lernangebote der verschiedenen Schulformen unseres Schulsystems nutzen. Das Unterrichtsangebot richtet sich nach den individuellen Voraussetzungen des Schülers, nach Alter und Entwicklung, Lern- und Leistungsstand, Sozialverhalten und dem Grad der psychischen Störung. Die Arbeit in der Schule steht in engem Zusammenhang mit dem therapeutischen Prozess in der Tagesklinik. Die schulischen Anforderungen werden so gestaltet, dass sie dem jeweiligen Krankheitsbild und Behandlungsablauf entsprechen. Gemeinsam mit den Eltern und den Mitarbeitern der Tagesklinik planen die Lehrkräfte die weitere Schullaufbahn der Schüler, helfen bei Umschulungen und leisten gegebenenfalls auch Nachbetreuung.

Psychomotorik

Die Psychomotorik ist ein entwicklungsbegleitendes, ganzheitliches Konzept zur Prävention, Rehabilitation oder Behandlung bei motorischen und psychosozialen Entwicklungsauffälligkeiten und -störungen. Die Psychomotorik will über Situationen des Erlebens, Wahrnehmens, Bewegens zu einem körperlichen, psychischen, geistigen und sozialen Wohlbefinden beitragen. Allgemeines Ziel der Psychomotorik ist es, die Persönlichkeit des Menschen über motorische Lernprozesse zu entwickeln.


Hundgestützte Therapie

Eingebettet in das therapeutische Gesamtkonzept wird in der Tagesklinik eine hundgestützte Therapie angeboten. Die positive Wirkung, die der Hund auf den Patienten haben kann, wird genutzt, um die für ihn individuell erarbeiten Ziele zu erreichen. Dabei geht es z.B. um Aufbau bzw. Stärkung sozialer und emotionaler Kompetenzen, wodurch die Kommunikation, die Interaktion und das Lernen erleichtert werden kann.

Institutionsübergreifende Aufgaben

Ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit ist die Mitarbeit in verschiedenen Gremien sowie die Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten und den nichtärztlichen Psychotherapeuten, Kliniken und Institutionen wie z. B. Erziehungsberatungsstellen, Schulen und Jugendämtern. Die enge Zusammenarbeit ermöglicht einen intensiven Austausch über die Möglichkeiten und Grenzen der Kooperationspartner. Das Ziel ist u. a., Aufträge für die beteiligten Institutionen genau zu klären im zu erstellenden Gesamtplan für die Kinder und Jugendlichen mit ihren Familien.


Individuelle Angebote

Zusätzlich bieten wir den Kindern und Eltern indikationsbezogene Maßnahmen an:

  • Sport- und Bewegungsaktivitäten
  • Entspannungsangebote
  • Soziales Kompetenztraining
  • Elterntraining
  • Konzentrationstraining
  • Kreativangebote
  • Anbahnung weiterführender Freizeitaktivitäten

Aufnahme in die Tagesklinik

Wer kann aufgenommen werden?

  • Kinder und Jugendliche, die über das gewöhnliche Maß hinaus unglücklich und traurig sind.
  • Kinder und Jugendliche, die unter einem Mangel an altersgerechten sozialen Kontakten leiden.
  • Kinder und Jugendliche, die nach dem Eindruck ihrer Bezugsperson (z. B. Eltern, Lehrer, Hausarzt oder Kinderarzt) in ihrer seelischen Entwicklung gefährdet sind.
  • Kinder und Jugendliche, die sich aufgrund einer Störung des seelischen Gleichgewichts in ihrem Leben nicht mehr zurechtfinden.
  • Kinder und Jugendliche, die durch ihr Verhalten in ihrer Lebensumgebung (z. B. Familie oder Schule) auffallen und dadurch häufig mit ernsthaften Problemen konfrontiert werden.

 

  • Kinder und Jugendliche, die sich gegenüber äußeren Reizen nur schlecht abschirmen können, die sich leicht ablenken lassen und deren Konzentrationsfähigkeit dadurch beeinträchtigt ist.
  • Kinder und Jugendliche, die nachhaltig darunter leiden, dass ein Familienangehöriger von einer ernsthaften seelischen oder körperlichen Erkrankung betroffen ist.
  • Kinder und Jugendliche, die zusammen mit ihrer Familie so große Probleme zu lösen haben, dass sie therapeutische Hilfe brauchen, um Lebensperspektiven für sich zu entwickeln.
  • Kinder und Jugendliche mit Psychosomatischen Störungen (z.B. Esstörungen, Schlafstörungen, Enkopresis, Ticstörungen) und mit Psychiatrischen Störungen bei Krankheiten und Organveränderungen (z.B. Asthma bronchiale, Neurodermitis), soweit nicht der körperliche Befund eine vollstationäre Behandlung erforderlich macht.

Wann ist eine Aufnahme nicht möglich?

  • Eine Aufnahme in die Tagesklinik kann nicht erfolgen, wenn Kinder bzw. Jugendliche sich selber oder andere durch ihr Verhalten so gefährden, dass eine kontinuierliche Überwachung erforderlich ist.
  • Eine Aufnahme in die Tagesklinik kann auch dann nicht erfolgen, wenn außerhalb der Behandlungszeiten der Tagesklinik keine ausreichende Betreuung durch die Eltern oder andere Bezugspersonen gewährleistet ist.

Einweisung:

Einweisungen an die Tagesklinik können durch alle niedergelassenen Ärzte vorgenommen werden; es muß eine ärztliche Verordnung für eine "teilstationäre Behandlung" vorliegen.

Damit wir uns gegenseitig ein wenig kennenlernen können, bieten wir den Kindern und Jugendlichen mit ihren Familien ein Vorgespräch an, in dem wir unsere therapeutischen Angebote näher vorstellen und Fragen zur Behandlung beantworten. Nach diesem Gespräch können wir den Zeitraum angeben, in welchem eine Aufnahme in unsere Tagesklinik erfolgen kann. In dringenden Fällen ist dies auch kurzfristig möglich.


Was ist für eine Aufnahme erforderlich?

  • Für die teilstationäre tagesklinische Behandlung werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen.

Wie lange dauert die Behandlung in der Tagesklinik?

Die Behandlungsdauer richtet sich nach den individuellen Erfordernissen: Im Durchschnitt ist von einer zwei- bis viermonatigen Behandlung auszugehen.


Welche Leitgedanken sind für unsere Arbeit von grundlegender Bedeutung?

  • Die Kinder und Jugendlichen werden im Kontext mit dem jeweiligen sozialen Umfeld gesehen und behandelt.
  • Wir setzen eine Mithilfe der Familie bei der Behandlung des betroffenen Kindes bzw. Jugendlichen voraus, da wir den Erfahrungsschatz, den die Familien über viele Jahre hinweg im Umgang miteinander gesammelt haben, für die Behandlung nutzen möchten.
  • Um einen langfristigen Behandlungserfolg zu sichern, wollen wir den Familien Anregungen geben, wie sie das Kind bzw. den Jugendlichen unterstützen können.
  • Die systemische Sichtweise richtet sich auch auf unser inter-institutionelles Zusammenspiel und auf unseren Wunsch und unser Streben nach der Kooperation mit Jugendämtern, Ärzten, Schulen und anderen Institutionen

Die Vielfalt der beruflichen Qualifikationen und die Lebenserfahrungen der Mitarbeiter ermöglichen es, dass Kinder und Jugendliche zusammen mit ihren Familien aus verschiedenen Blickwinkeln wahrgenommen werden und somit auch Unterstützungen und Anregungen in vielen unterschiedlichen Bereichen erhalten können.

In gemeinsamen Besprechungen stimmen wir unsere Eindrücke und Vorgehensweisen untereinander ab. Für jedes Kind und jeden Jugendlichen wird entsprechend seiner Problematik, seinem Alter und Entwicklungsstatus ein individuelles Therapieangebot zusammengestellt, in das grundsätzlich die Eltern bzw. entsprechende Bezugspersonen mit einbezogen werden.

Ansprechpartner

 

 


Das Team

  • Frau S. Pünt, Oberärztin
    Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
    Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
  • Herr S. Clavée
    Kinder- und Jugendpsychotherapeut
  • Frau K. Schwetka
    Dipl.-Psychologin, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin
  • Herr F. Kotitschke
    Ergotherapeut, Theaterpädagoge
  • Herr A. Deupmann
    Dipl.-Sozialpädagoge/ -arbeiter, Systemischer Familientherapeut
  • Herr C. Smit
    Dipl.-Sozialpädagoge/-arbeiter, AAT/CT-Trainer
    Leiter des pädagogischen Teams
  • Frau L. Thünemann
    Erzieherin, Marte-Meo-Therapeutin i.A.
  • Frau G. Brink
    Heilpädagogin, Motopädin
  • Frau J. Pruhs
    Dipl.-Sozialpädagogin/ -arbeiterin (B.A.), Systemische Beraterin
  • Herr M. Große-Laxen
    Sozialpädagoge/ -arbeiter (B.A.)
  • Frau U. Behrens
    Physiotherapeutin