Chirurgie des Leistenbruches

Die operative Versorgung von Bauchwand- inkl. Leistenbrüchen gehört in Deutschland zu den am häufigsten durchgeführten Eingriffen in der Chirurgie. Über 300.000 Brüche der Bauchwand werden pro Jahr in Deutschland operiert – davon ca. 300 am Mathias-Spital in Rheine - unter denen die Leistenhernienversorgung den wesentlichen Anteil ausmacht. Die Leistenregion stellt im Bereich der Bauchwand eine besondere Schwachstelle dar.

Der medizinische Fachbegriff für Bruch ist Hernie. Letztendlich bezeichnet es eine angeborene oder erworbene Lücke in der Bauchwand, die zum Hervortreten (=Knospe) von Eingeweiden aus der Bauchhöhle führt. Dies kann ohne Beschwerden einhergehen, kann aber auch lokale Schmerzen und in Einzelfällen sogar lebensgefährliche Einklemmungen von Darmanteilen verursachen.

Kleine Brüche, die keine Beschwerden verursachen, müssen manchmal nur beobachtet werden. Größere Hernien, die mit Beschwerden einhergehen, oder stetig sich vergrößernde Bruchlücken sollten operativ versorgt werden. Gerade in den letzten Jahren haben sich auf dem Gebiet der Bruchversorgung durch die Weiterentwicklung der Schlüssellochchirurgie (minimal-invasiv) moderne Operationsverfahren entwickelt, die nicht nur das kosmetische Ergebnis, sondern auch die postoperative Beeinträchtigung der Patienten verbessern.

Qualitätssicherung

Um die Qualität der Bruchoperationsverfahren auch im Langzeitverlauf ständig überprüfen und somit auf einem hohen Niveau halten zu können, nimmt das Mathias-Spital Rheine am deutschlandweiten Hernienregister der Deutschen Herniengesellschaft (HERNIAMED) teil und erhielt 2014 das Siegel eines qualitätsgesicherten Hernienzentrums. Unsere Hernienpatienten werden im Rahmen dieser Qualitätssicherung dabei u.a. postoperativ nach 1, 5 und 10 Jahren mittels Fragebogen oder per Telefon kontaktiert.

Im Folgenden werden die wesentlichen Operationsverfahren in der Hernienchirurgie näher erläutert:

Offene Leistenhernienoperation ohne Netzimplantation:

Bei vielen Kleinkindern ist die im Mutterleib noch bestehende Verbindung zwischen Bauchhöhle und Hoden noch nicht ganz verschlossen. Deshalb kann man beim Kind mit Leistenbruch meistens von einer natürlichen Bruch- bzw. Gleitlücke im Leistenkanal ausgehen. Es reicht somit aus, diese Verbindung bei Kindern zu unterbinden. Eine Bauchwandverstärkung ist in diesen Fällen nicht erforderlich.

Beim jungen Erwachsenen (<30.Lebensjahr) wird eine Bauchwandverstärkung ohne Implantation eines künstlichen Netzes (Operation nach Shouldice) angestrebt. Dabei wird der Bruchsack bestehend aus der Bauchfellknospe und ggf. Eingeweideinhalt freipräpariert, Darmanteile gelöst und in die Bauchhöhle zurückverlagert. Danach wird der Bruchsack abgetragen und die Bauchwandschichten am Leistenband als Verstärkung mittels Naht fixiert. Der Vorteil dieser Methode gegenüber Bruchoperation mit Einlage eines Kunststoffnetzes liegt in einer nach der Operation bestehenden größeren Flexibilität des freigelegten und operierten Weichgewebes. Dies geht allerdings im Vergleich zur Netzimplantation mit einer höheren Rate an Wiederauftreten von Brüchen im OP-Gebiet (Rezidiv) einher.

Leistenhernienoperationen per Schlüsselloch:

Bei den modernen Verfahren der endoskopischen Bruchoperationen kommt neben kleinen Hautschnitten auch die Lage des Netzes als wesentlicher Vorteil zum Tragen. Das Netz wird vor das Bauchfell und hinter die festen Bauchwandschichten gelegt. Es sitzt damit wie ein übergroßer Deckel auf der Bruchlücke. Dies garantiert den besten Halt auch bei maximalem Druckanstieg in der Bauchhöhle, z.B. beim Husten. Auch bei vorausgegangener Bruchoperation von außen kann man mit dieser Netzeinlage aufgrund des inneren unvernarbten Zuganges den Wiederholungsbruch besser versorgen. Zusätzlich lassen sich beidseitig behandlungsbedürftige Leistenbrüche über die gleichen drei Hautschnitte zeitgleich versorgen.

Neben dem minimal-invasiven Zugang durch die Bauchhöhle, wie er bei der TAPP (Transabdominelle Patchplastik) vorgenommen wird, gibt es die endoskopische Leistenhernienversorgung als TEP(P) (Total extraperitoneale Patchplastik), bei der vor dem Bauchfell mittels Schlüssellochinstrumentarium präpariert wird. Diese beiden Verfahren sind mit Blick auf das Ergebnis als gleichwertig zu betrachten. Am Mathias-Spital wird bevorzugt das TEPP-Verfahren eingesetzt, da hierbei die Bauchhöhle inkl. der Eingeweide unangetastet bleibt.

Offene Leistenhernienoperation mit Netzimplantation:

Aufgrund des o.g. Rezidivrisikos ist man deshalb zunehmend dazu übergegangen, Polyester- oder Polypropylennetze zwischen die Bauchwandschichten einzulegen. Das Netz dient als zusätzliche Verstärkung der Bauchwand. Das gängigste Operationsverfahren beim Zugang von außen ist die Leistenhernienoperation nach Lichtenstein, bei der zwischen mittlerer und äußerer Bauchwandschicht ein ca. 20-Euroschein-großes Netz eingenäht wird.

Versorgung von Nabelhernien: 

Nabelhernien treten sowohl bei Säuglingen, Kindern als auch Erwachsenen auf. Bei Säuglingen haben Nabelhernien häufig die Tendenz, sich bis zum 2.Lebensjahr selbständig zurückzubilden. Bleiben diese bestehen oder verursachen Beschwerden, sollte bei kleinen Bruchlücken ein Verschluss mittels Direktnaht erfolgen. Bei größeren Brüchen im Erwachsenenalter oder Wiederholungsbrüchen wird eine Netzverstärkung entweder offen oder mittels Schlüssellochchirurgie vom Bauchraum aus eingebracht.

Narbenbruchversorgung:

Narbenbrüche treten infolge einer vorangegangenen Operation auf. Diese können sich auch noch Jahre nach einer Operation entwickeln. Ist eine Größen-zunahme oder Beschwerdesymptomatik zu verzeichnen, sollten auch diese Brüche operativ versorgt werden. Je nach Lage und Funktionalität kommen auch bei den Narbenbrüchen offene und minimalinvasive Verfahren zur Anwendung. Das bei allen Narbenhernien empfohlene Kunststoffnetz (meistens aus Polypropylen oder Polyester) kann als Verstärkung oder je nach Befund auch als Bauchwandersatz dienen.  Dabei kommen verschiedene Netzlagen (Sublay, IPOM etc.) und Implantationsverfahren (offen vs. laparoskopisch) zum Einsatz.

Allgemeinchirurgische Sprechstunde

Indikationssprechstunde für u.a. Leisten- und Bauchwandbrüche

Montag, Dienstag und Donnerstag: 13:30 – 15:00 Uhr

 

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